Donnerstag, September 30, 2004

Ist Sex notwenig?

In Zeiten von Gent- und Biotechnologie kann man eigentlich auf Sex als Fortpflanzungsmittel verzichten! Kann man das wirklich?
Das Wirtschaftsmagazin Forbes zeigt anhand verschiedner medizinischer Studien auf warum Sex für unseren Körper trotzdem notwendig ist. Hier eine kurze Zusammenfassung:

- Reduced risk of heart disease

- Weight loss, overall fitness

- Improved sense of smell

- Reduced depression

- Pain-relief

- Less-frequent colds and flu

- Better bladder control

- Better teeth

Mittwoch, September 29, 2004

Mondfest und Nationalfeiertag

In meiner Doppelrolle als Student und Tourist war ich am heutigen - immer noch sonnigen und warmen - Tag an der Stadtmauer und den Ming-Gräbern in Nanjing. Da bekanntlich zur Zeit das Mondfest begangen wird, ist heute der Unterricht ausgefallen. Am ersten Oktober ist der chinesische Nationalfeiertag und darauf sind wiederum einige Tage frei. Die mehrtägigen Feiertage wurde in erster Linie eingeführt, um den Konsum an diesen Tagen zu erhöhen und die Rechnung geht bestimmt auf. Hier geht alles nur um Konsum!


Montag, September 27, 2004

Copyright in China

Got this Chinese chick, had to leave her quick
'Cause she kept bootleggin´ my shit - man

Lyrics: Jay Z - Girls, Girls, Girls - The Blueprint

12. Fachjargon nur in Ausnahmefällen benutzen

Gerade habe ich einige Vorschläge zu Kenntnis genommen, die das eigene Deutsch verbessern sollen. Davon war folgender Punkt 12:

12. Fachjargon nur in Ausnahmefällen benutzen.

Die Texte werden sonst schnell schwer verständlich und auch zu lang. Auch hierzu ein Beispiel:

Jargon: "Laien, d.s. im gegebenen Fall Personen ohne medizinisch fachliche Kompetenz,diagnostitizieren ihre eigene Krankheit oder die anderer Personen im Sinne eines überwiegenden intersubjektiv angenommenen Krankheitsverständnisses, das in einem wachsenden Umfang kognitiv begründet, jedoch im Kern auch sozial kodeterminiert ist. Jede von Laien gestellte Krankheitsdiagnose über ein Kranksein ist milieugebunden und reicht von der Bagatellisierung bis zur Hypersensibilisierung."

Kürzer: "Medizinische Laien beurteilen Krankheit je nach Person und sozialem Umfeldverschieden, wobei sie echte Krankheiten sowohl verharmlosen als auch übertreiben."

Davon abgesehen, dass dieser Tip natürlich sehr wertvoll ist, finde ich den Inhalt des Beispiels sehr interessant. Es ist wieder unglaublich, wie subjektiv wir uns und unsere Umwelt wahrnehmen. Hoffentlich kann man sich immer mehr davon befreien. Vielleicht hat das auch mit dem gerade angesprochenen Kommunikationsverhalten zu tun?

Andere Länder, andere Kommunikations-Sitten

Ich habe eine Frage an alle, die sich längere Zeit in einem asiatischen, arabischen (oder auch persischen) Land aufgehalten haben. Wie ich bereits mehrmals erwähnt habe, wird hierzulande eher lautstark kommuniziert. Ähnliches Kommunikationsverhalten habe ich auch bei arabischen Leuten gesehen. Auch in der Öffentlichkeit unterhalten sie sich mehr als angeregt miteinander.

Wenn das bei uns Nordeuropäern der Fall ist, handelt es sich zumeist um Belange von großer Wichtigkeit oder persönlicher Bedeutsamkeit, wenn in dieser Tonlage miteinander geredet wird.

Mir stellt sich damit die Frage, ob bei Asiaten und Arabern mehr persönliche Schicksalsschläge vorkommen als bei uns oder ob Dinge, die wir als nicht wichtig abtun, als sehr bedeutsam wahrgenommen werden. Leider konnte ich bislang den Inhalten nicht folgen, aber vielleicht ist es einem von euch mal gelungen...

Mir ist klar, dass es schwer ist, solche Dinge vom Einzelfall abstrahiert zu betrachten. Aber es ist nunmal eine Tatsache, dass hier Unterschiede in der Kommunikation vorliegen.

Freitag, September 24, 2004

Persepolis

Politische Comics haben seit Joe Sacco Hochkonjunktur. So auch die auf vier Bände angelegten Comics der 32-jährigen iranischen Comic-Zeichnerin Marjane Satrapi.
Marjane Satrapi ist die erste orientalische Comic-Zeichnerin, die überhaupt internationale Erfolge verzeichnen kann. Die in Teheran geborene Iranerin lebt allerdings seit ihrem vierzehnten Lebensjahr in Westeuropa: zunächst in Österreich, dann dauerhaft in Frankreich. Ihre Eltern hatten das Mädchen 1984 außer Landes geschickt, als absehbar wurde, daß die Repressalien des Mullah-Regimes in Iran gegenüber der Intelligenz des Landes weiter zunehmen würden.

Die New York Times ist in ihrer Rezension vom 22. August ganz begeistert von Marjane Satrapis Werke "Persepolis". NY-Times vergleicht ihre Comics mit Art Spiegelman´s "Maus".

Persepolis wurde 518 vor Christus gegründet, später zerstörte Residenz der Archämeniden, von den Griechen als die Stadt der Perser bezeichnet. Marjane Satrapi greift im Titel ihres autobiografischen Comics eine Tradition des iranischen Exils auf, indem sie an die Glanzzeiten Persiens und dessen Untergang, durch ihre Comics anhand aktueller Ereignisse, erinnert.
Die Autorin verbildlicht die Zeit zwischen 1980 und 1994 aus der Erinnerung, bwußt aus dem Blickwinkel des jungen Mädchens das sie damals war.

Aus der Perspektive eines kleinen Mädchens erfährt man im ersten Band Erhellendes über die islamische Revolution von 1979 und den Krieg mit dem Irak.



Der zweite Band befasst sich hauptsächlich mit der post-revolutionären Iran und die entsetzlichen Begleiterscheinungen des Iran-Irak Krieges.



: Hier noch die Rezension von Persepolis durch die Wochenzeitung die Zeit.

: Zudem gibt es hier eine slide-show aus Persepolis II

Mittwoch, September 22, 2004

Barrow, Alaska

Damit wir als Autoren nicht ständig im Mittelpunkt unseres bescheidenen Blogs stehen, poste ich ein paar Bilder meines alten Marine-Kameraden Torsten Sachs, der sich seit einiger Zeit am Barrow Arctic Science Consortium aufhält.





Und ich dachte schon, ich sei weit von der Zivilisation entfernt, aber es geht auch weiter und kälter. Allerdings reizt es mich schon, mir das anzuschauen. Vielleicht sollte ich mich einladen!

Good Bush Bad Bush

Hallo,

wollte mich aus dem unglaublich schönen Thailand, im etwas trüben aber trotzdem schönen Deutschland zurück melden. Bin ab jetzt wieder in Mannheim und werde hoffentlich bald mit den Recherchen für meine Diplomarbeit beginnen.

Bezüglich dem Titel dieses Posts habe ich ein Photo eines in Thailand erhältlichen T-Shirts beigefügt, dass ich sehr lustig fande. Übrigens wer mal relativ billig einen unvergesslichen Urlaub machen will sollte unbedingt nach Thailand fahren.

Domi

Die große Brücke in Nanjing

Hier gibt es eine sehr große Brücke über den Jangtse und wie man in diesem Artikel in der New York Times lesen kann, gibt es viele Menschen, die springen wollen und einen, der sie davon versucht abzuhalten. Woche für Woche. Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber werde am Wochenende hinfahren und nach ihm schauen.

(Der NYT link generator funktioniert gerade nicht. Sobald es geht, werde ich den richtigen link einfügen. Mit dem jetzigen muss man registriert sein: Plainvanilla, plainvanilla77)

Dienstag, September 21, 2004

Bush´s Verfehlte Politik

Jetzt wo die US-Präsidentschaftswahlen Wahlen immer näher rücken und der Ausgang dieser Wahlen traditionell immer große Auswirkungen auf der ganzen Welt hat gibt es heute mal eine kleine Sammlung über die verfehlte Politik der Bush-Administration.
Das sind die Besatzungskoten der USA im Irak:





Cost of the War in Iraq

(JavaScript Error)






Ist wirklich unglaublich was man alles mit diesem Geld hätte anstellen können.

Beispielsweise würde nach Meinung von Experten eine jährlicher Entwicklungshilfe von 25 Mrd. US$ ausgereichen um die 10 ärmsten Nationen der Welt (inklusive Afghanistan) wirtschaftlich, politisch und Gesellschaftlich zu stabilisieren.
Das wäre eine weitaus effektivere als "The War On Terror"

Die Zeitung Independent hat eine interessante Sammlung von Fakten über Bush´s Politik der Doppel-Standards. Hier ein Auszug:

79 Percentage of the 11 September hijackers who came from Saudi Arabia.

0 Number of times Bush mentioned Saudi Arabia in his three State of the Union addresses.

3 Number of 11 September hijackers whose entry visas came through special US-Saudi "Visa Express" programme.

140 Number of Saudis, including members of the Bin Laden family, evacuated from United States almost immediately after 11 September.


Und wer hat nach Meinung des Bush Regierung zum Achse des Bösen gehört?

Diese Liste könnte unendlich weitergeführt werden; Wer will kann dies gerne im Kommentarbereich fortsetzen...

Samstag, September 18, 2004

Iran vs. China

Da Iran und inzwischen China zu signifikanten Nationen in unserem Blog geworden sind: ein kurzer Vergleich. In beiden Ländern sind größere Teile der Bevölkerung mit der Regierung, den Wertvorstellungen, dem politischen System, ihren Rechten nicht einverstanden und sie wollen einen Wechsel.

Anscheinend - und hier frage ich nach Gründen - hat das unterschiedliche Konsequenzen. Während man im Iran offensichtlich in die Opposition geht und das politische System wohl auch brachial ändern würde oder das zumindest versucht hat, findet dieser Umwälzungsprozess hier in China unter der Oberfläche der Medien und der öffentlichen Meinung statt.

Auch ist die Führung nicht so offensichtlich gespalten, wie das im Iran der Fall ist.

Liegt das an dem, was man gewöhnlich als Mentalität bezeichnet (also in der Bevölkerung begründet) oder eher an der Art der Unterdrückung und der Herrschaft der politischen Führung?

Shanghai Despot Chicken

Ok, einen habe ich noch, dann reicht´s vorerst mit den lustigen Namen. Aber der hier ist gut: Shanghai Despot Chicken...

Freitag, September 17, 2004

Nanjing Boomstar

Heute ein paar kleine Beobachtungen aus dem Alltag: In vielen Geschäften steht an der Kasse eine goldene Katze, die mit dem linken Arm wackelt. Wahrscheinlich soll das Reichtum etc. herbeiwinken. Wenn einer unserer werten Leser Näheres weiß, bitte Bescheid sagen. Marci vielleicht? Ich werde mich auch informieren.

Dann gibt es hier Tankwagen, die im großen Stil die Straßen mit Wasser besprengen. Dazu beschallen sie die Umgebung mit ziemlich nerviger - weil monotonaler elektronischer - Musik. Ich bin mir noch nicht klar, ob dass zu Reinigungszwecken geschieht, denn der Schmutz wird nicht weg- sondern nur bespült. Auch hier gerne Hinweise...

Dann war ich kurz im Wal-Mart, wozu ich nur sagen kann, dass ich das Angebot vor allem deshalb erstaunlich finde, als hier vor zehn Jahren noch mit Essensmarken der Regierung bezogen wurde, was an Nahrungsmitteln gerade da war.

Noch ein keiner Preis-Check: Dose Cola 25 cent, Busfahrt 20 cent, CD 60 cent. Wetter-Check: immer noch sommerlich warm, Polo-Hemd, ab und an erfrischender Regen. Ich hoffe, der Winter wird auf seine Art ebenso angenehm. Sprach-Check: mit 这个 (zhe ge = das da) kann man alles kaufen und bestellen, wenn man drauf zeigen kann; allerdings ist es wenig elegant - aber Hauptsache satt geworden. Dienstleistungs-Check: Bedienung zu Kunde gestern im Restaurant: 7/5. Alles ok!

Schließlich noch ein kleines Bild aus der Umgebung - die Werbung für die Dienste einer Rechtsanwaltskanzlei (übrigens direkt neben der Polizeistation). Während man bei uns in dieser Branche um Diskretion und Zurückhaltung bemüht ist, zeigt man hier, was man hat und nennt das auch noch BOOMSTAR. Das ist aber sehr typisch für Übersetzungen aus dem Chinesischen; sie entbehren meistens nicht einer gewissen Komik.



Mittwoch, September 15, 2004

Diplomarbeit abgegeben

Ich habe am Montag meine Diplomarbeit abgegeben. Da man ja in einer Diplomarbeit keine Widmungen rein schreiben sollte, hole ich dies hiermit auf unserem
Blog nach:

An dieser Stelle wollte ich mich bei Bernd B., Steffi E., Axelus und Claudia für ihre wertvollen Korrekturarbeiten bedanken. Danke geht auch an die deutsche Auslandshandelskammer im Iran die mir die notwendigen Informationen zur Verfügung stellte

Nun geht diese verdammte Jobsuche los! Eigentlich habe ich gar keine Lust auf diesen Bewerbungsstress!! Nichts desto trotz werde ich mich als erstes einmal an den Stellen wenden die mich schon bereits kennen, und die mir bereits ihr Interesse signalisiert haben: Bis nächste Woche will ich meine Bewerbungsunterlagen an die AHK im Iran, an die österreichische Botschaft im Iran sowie BASF-Iran gesendet haben.

Wir wissen ja alle aus der Psychologie Vorlesung, dass Interesse nicht zwangsläufig zum zielgerichteten Verhalten führen muss. Deswegen mache ich mir bei diesen Bewerbungen keine falschen Hoffnungen.

Nein, ich muß auch nicht unbedingt nach Iran!! Es wäre aus verschiedenen gründen nur schön, mal für zwei bis drei Jahre von hier weg zu kommen. Außerdem hätte ich wirklich mal Lust mein gesamtes Wissen über die iranische Wirtschaft in konkrete Projekte umzusetzen.

Ich bin gespannt wie das alles weiter gehen wird….

Löcher in den Firewall schlagen

Eine der interessanten Internet-Einsichten hier in China ist für mich, dass es im Internet keine wirkliche und wirksame Kontrolle geben kann. Zwar versucht die Regierung, mit Hilfe eines nationalen Firewalls die Bevölkerung davon abhalten, Inhalte abzurufen, die sich nicht für richtig hält.

Aber das ist unmöglich. Es ist wie ein Drache, dem ein Kopf abgeschlagen wird und dafür zwei nachwachsen. Bekanntlich ist meistens Blogger.com geblockt (u.a.). Gestern ging´s auf einmal, heute wieder nicht. Aber es gibt immer ein weg. Z.B. habe ich darauf hin bei einem chinesischen Blogger gelesen, wie´s geht:

nile provides a new way to access blocked web sites in China. It's no neccessary to set up any proxy, just extend a url with such a domain name (.nyud.net:8090), e.g. if you want to access cnn.com, just type http://www.cnn.com.nyud.net:8090. It's fast and stable to access most of the blocked site in China.

Zur Zeit ist China eine Mischung aus DDR und USA...

Montag, September 13, 2004

I Like Chinese

Was man am Wochenende gerne mal tun kann: In das IT-Viertel einer
chinesischen Millionenstadt gehen. Dort tummeln sich so viele Menschen
als würde bei Aldi eine Best-of-Marianne-und-Michael Kollektion und
Erdbeereis verschenkt. Es wird gekauft ohne Ende und nachträglich muss
ich Lars Windhorst echt Respekt zollen. Er hat´s verstanden (leider
auch vergeigt). Ich habe mir eine 128 MB-Flashcard für schlappe 20 Euro
gekauft. iPods und ähnliche High-Profile Produkte sind natürlich genau
so teuer wie bei uns.

Was nicht so erbaulich ist: Der Umgang mit der Natur. Ich habe es in
meiner letzten Liste mit dem Wasser bereits angedeutet. In
diesem Artikel der New York Times kann man
sich über die Nutzung der Flüsse als große Abfall- und
Abwasser-Sammelbecken informieren. Neben dem offenbaren Ausmaß der
Verschmutzung wundert mich, dass von der Bevölkerung nicht der
Zusammenhang gesehen wird zwischen der Verschmutzung und ihrer
Erkrankung.

Aber ich denke, dass man sie dann auf kleinerer Ebene ´erziehen´
müsste. Es wird zu Hause einfach das nicht mehr benötigte Kochwasser,
etc. auf die Straße gekippt. Es besteht kein Verständnis für derartige
hygienische Probleme. Das selbe mit dem ständigen Spucken. Auch der
Zusammenhang zur Gesundheit wird offensichtlich nicht gesehen.

Aber das wird sich sicherlich anlässlich der kommenden olympischen
Spiele noch ändern.

A propos New York Times. Ich habe noch kein System beim Blocken von
websites entdecken können. Die NY Times ist zugänglich, TIME Magazine
aber nicht...

Ansonsten sind Anfang Oktober in China Feiertage, so dass eine Woche
frei sein wird. Vielleicht reise ich mit einigen Mitstudenten in ein
paar andere Städte, Xian z.B. Vielleicht aber auch nicht, da ich mich
noch über die Belastung der touristischen Infrastruktur informieren
muss. Wenn ganz China auf den Beinen ist, dann sind auch die Hotels
belegt, die Züge voll, etc.

Am kommenden Wochenende fahren wir jedenfalls nach Shanghai und nachdem
ich dort bloß meine ersten Gehversuche in China gewagt habe, gibt es
noch viel zu sehen.

Ein Beitrag von J. Philipp Bohn

Sonntag, September 12, 2004

Auswege aus dem moralischen Dilemma – Should I Rip This?

Seit neuestem sind im USA, Deutschland und andere westlichen Nationen harte Urheberschutzgesetze durchgesetzt worden, die quasi auch Sicherheitskopien für private Zwecke als illegal einstufen.
Hierbei wollte ich mich bei der Musikindustrie-Lobby bedanken, die uns diese Gesetze beschert hat. Mir war die große Gefahr die von diesen Schwarz-Brennern bzw. –Downloadern ausgeht gar nicht bewusst!! Seht selbst:



Abgesehen von der rechtlichen Sphäre sollte sich jeder von uns fragen ob es moralisch richtig eine CD in mp3 umzuwandeln –bevor noch die arme Musikindustrie pleite geht!! Hier eine Entscheidungserleichterung:




Das Bild kann man sich auch größer auf dieser Seite betrachten.

Donnerstag, September 09, 2004

Living La Vida Europa

Nachdem wir heute in Sheraton Nanjing beim All-You-Can-Eat Brasilianer
waren (alles zusammen 3,60 Euro), kann ich bereits drei Phänomene
erkennen, die für mich das westliche Lebensgefühl ausmachen:

1. Immer und überall über alles Information erhalten zu können.
2. Bis zur Oberkante mit Fleisch vollgefressen zu sein.
3. Disziplin im öffentlichen Leben.

Ersteres ist sicherlich eine kulturelle Leistung, über zweiteres und
drittes lässt sich streiten.

Ansonsten hat sich eine gewisse Tages- und Wochenroutine eingestellt.
Unterricht ist zumeist von acht bis zwölf Uhr, danach wird in einem
Restaurant (oder eher: Bude) für maximal ein Euro gut gegessen; dann
noch lernen etc. Am Wochenende würde ich gerne an den Yangtse fahren.
Vielleicht gibt´s dann sogar mal ein Bild - wer weiß...

Schließlich habe ich gelernt, dass Fahrräder ohne Nummer (also
beispielsweise meins) illegal sind. Es handelt sich um geklaute Ware.
Aber zumeist wird man als Ausländer darauf nicht angesprochen. Und wenn
doch, sagt man einfach ´Bu dong´ (Ich verstehe nichts). Kein Problem
also und nichtmal gelogen.

Ein Beitrag von J. Philipp Bohn

Mittwoch, September 08, 2004

Linkdump: September

Ich gebe in den nächsten Tagen meine Diplomarbeit ab und habe aus diesem Grund nur wenig Zeit für größere Beiträge. Deswegen gibt es heute nur ein paar interessante Webseiten die ich bei meinen nächtlichen Streifzügen durchs das Internet gefunden habe.


QT´s Blog

Quentin Tarantino blogt, und zwar unter Blogger! Na ja, man weiß das nicht so genau ob er wirklich der Blog-Autor ist! Aber ich verfolge diesen Blog schon seit zwei Wochen und ich denke, dass es sein Blog ist…..oder doch nicht? Schaut einfach selbst.


LOGO-RIP



In Erinnerung an alle Marken, die im Strudel der Marktdynamik untergegangen sind.
Hier geht es zum virtuellen Friedhof!!


Digitale Klassiker

Hier könnt ihr euch alle weltberühmten Klassiker von Autoren wie Dickens bis Dostoevsky als PDF kostenlos herunterladen.

Dinge, die man in China nicht machen sollte:

1. Chinesisch sprechen (versteht eh´ keiner).
2. Nach der Nichtraucher-Ecke im Restaurant suchen.
3. Das Wasser trinken.
4. Das Wasser anfassen.
5. Das Wasser anschauen.
6. Rücksicht auf die Umwelt nehmen.
7. Geschmack haben.
8. Deo benutzen.
9. Drogen konsumieren.
10. Mit geschlossenem Mund essen.
11. Taktgefühl haben / Auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen / Leise sprechen.
12. T-Shirts tragen, deren englische Aufschrift Sinn macht.
13. Abends zum Friseur gehen.
14. Im Straßenverkehr auf Ampel- oder Hup- und Klingelsignale achten.
15. Sich auf dem Klo hinsetzen.

Ein Beitrag von J. Philipp Bohn

Samstag, September 04, 2004

Präventivschlag gegen Iran?

In dem Gastbeitrag von Martin van Creveld, Militärhistoriker an der Universität Jerusalem, in der Zeitung "Die Welt", wird die gefährliche israelische Strategie gegen den Iran näher Analysiert.
Laut diesem Artikel von ist es allzu selbstverständlich, warum Iran nach dem bau von Nuklearwaffen und Trägersysteme strebt.
Israel hat schon seit langem angekündigt, dass es nicht hinnehmen werde, dass der Iran Zugang zum Nukleartechnologie bekommt. Dies will Israel im schlimmsten Fall mit einem militärischen Präventivschlag gegen iranische Nukleareinrichtungen verhindern.

Eine Kleine Zusammenfassung der Analyse:

Die iransiche Seite:

Die Regierung in Teheran ist zweifellos islamisch, aber das heißt nicht unbedingt, dass sie irrational ist. Ayatollah Khomeini, der Einzige, der die Iraner zu außerordentlichen Opfern mobilisieren konnte, ist seit über einem Jahrzehnt tot. Und selbst davor war es Saddam Hussein, der den Iran angegriffen hat, nicht umgekehrt. Seither ist der Iran nicht aggressiver gewesen als die meisten anderen Länder. Trotz der feindseligen Sprüche Richtung Israel ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass die Führung des Iran einen Angriff gegen ein Land führt, von dem allgemein angenommen wird, dass es sie zerstören könnte.


Die Israelische Seite

Ariel Scharon ist möglicherweise wieder auf dem Kriegspfad. Schon seit etwa einem Jahr hat der Premierminister seine Aufmerksamkeit auf den Iran gerichtet.
Scharon behauptet, der Iran stelle gegenwärtig die größte Gefahr für Israel dar. Unzählige ausländische Quellen berichten, dass Israel sich dieser Bedrohung durch Aufstellung von land- und seegestützten Raketen erwehrt, die im Iran großen Schaden anrichten könnten. Zur Verteidigung gegen die iranischen Shihab-Raketen verfügt Israel auch über das weltweit einzige einsetzbare Raketenabwehrsystem Chets...


Ich bin froh, dass solche Analysen von Experten aus Israel selbst aufgestelt werden. Mir glaubt ja keiner wenn ich so etwas erzähle!! ;).

Auch wenn man nicht mit der Regierung in Teheran sympathisiert, muß man doch eingestehen, dass sie bisher alle strengen Auflagen der internationalen Atomenergiebehörde -die komischerweise für andere Länder nicht gelten-, erfüllt hat.

Ich galube die Weltgemeinschaft sollte sich mehr um diesen aufstrebenden Konflikt kümmern.

Weimarer Bibliothek abgebrannt

Wie ihr sicherlich in den Nachrichten gehört habt, ist die Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar teilweise abgerannt. Diese ist weiland von Goethe eingerichtet und geleitet worden und gilt wahrscheinlich zu Recht als Wiege und Hort der Deutschen Klassik und Geistesleistung.

Obwohl das kulturgeschichtlich eine tragische Angelegenheit ist, lässt es uns vielleicht noch mal daran denken, uns nicht ständig auf Leistungen Einzelner vor einigen Jahrhunderten zu berufen, sondern für die Gegenwart und vor allem die Zukunft etwas aufzubauen.

Freitag, September 03, 2004

Denkt dran: Notvorrat anlegen!

Das Verbraucherschutzministerium warnt: Nicht zu sorglos in den Tag hineinleben. Wie schnell kann ein Reaktor großen Schaden anrichten, MKS sich ausbreiten, Fluten das Land unter Wasser setzen. Und dann jammern wieder alle. Damit das nicht sein muss, findet man hier nützliche Anleitungen zum Anlegen eines Notvorrats.

Zusammenfassend kommentiert muss die Regierung wohl ziemliche Angst haben, dass ihr bei ihren wirklichen Aufgaben zu genau auf die Finger geschaut wird. Angstmacherei ist - das wissen wir ja nun nicht erst seit Moores Fahrenheit 911 - eine ziemlich dumme wie subversive Taktik. Peinlich.

BWL der Alltags

Eine aus meiner Sicht doppelt interessante Beobachtung betreffs des hiesigen Wirtschaftslebens ist die Tatsache, dass die Branchen (z.B. Fahrräder, IT) in einzelnen Vierteln oder entlang einzelner Straßen konzentriert sind, also Cluster bilden. Das scheint im Kleinen Sinn zu machen, wie auch im Großen - siehe Silicon Valley oder Route 128 in Boston (Viertel und Straße).

Dann aber ist zu beobachten, dass die Anbieter fast alle das gleich Angebot haben. Die Differenzierung findet vielleicht im High-End Bereich durch die Marken statt, aber am unteren Ende, beim IT-Zubehör beispielsweise, ist der eine Stand wie der andere. Die Idee, eine USP für das eigene Angebot zu haben, ist hier noch nicht durchgedrungen.

Nebenbei bemerkt bieten Straßenhändler (natürlich schwarze) Software auf der Straße an. Sie stehen nur wenige Meter entfernt in Sichtweite zueinander und bieten wiederum fast Identisches an. Wenn ich nun an ihnen vorbei gehe und wirklich jedem von ihnen bedeute, dass ich kein Interesse habe, werde ich trotzdem wieder angesprochen vom nächsten Händler (der gesehen hat, wie ich bei allen Kollegen abgewunken habe). Was ist also die Denke? Vielleicht, dass ich es mir innerhalb von zwei Sekunden doch anders überlegt habe? Oder dass ich lieber bei ihm kaufe, weil ich ihn sympathischer finde? Ich habe keine Ahnung.

Aber aufgepasst: Gerade habe ich in einem Film, der in Afrika spielt (ja, die gebrannten DVDs für einen Euro), den Satz gehört: Don´t think that just because I grew up without running water I´m stupid. Natürlich muss man recht stumpf sein, wenn man so denkt, aber auf einer höheren Ebene oder unbewusst sehe ich die Gefahr auch hier, wenn man die Menschen beobachtet. Nur weil sie im Vergleich zu uns einen sehr viel geringeren Lebensstandard haben, heisst das fast noch gar nichts. Trotzdem frage ich mich, warum der Lebensstandard so weit auseinander klafft.

A propos Lebensstandard: Das Wohnheim, in dem ich untergebracht bin, hat Zweierzimmer, ohne eigenes Bad. Es gibt Waschmaschinen, die nur kalt waschen und Klos, die eine Rinne mit Loch im Boden sind. Toilettenpapier sollte man sowieso immer selber mitbringen. Die Einrichtung ist verschlissen, die Wände offen und überall im Bad tropft es aus den Leitungen. Die Warm- und Kaltwasser-Leitungen in der Dusche habe ich auch noch nicht begriffen. Ich werde eine schematische Zeichnung des Verlaufs der Rohre anfertigen.

In zehn Jahren sieht es hier vielleicht anders aus, wenn das Haus noch steht. Schön, dass ich es noch so mitbekommen habe.

Frage zum Schluss: Gibt es bei den Chinesen Legasthenie? Ja, gibt es, aber ich weiß noch nicht, wie das dann aussieht.

Donnerstag, September 02, 2004

Starbucks und Brain Surgery

Da ich mir gestern ein Fahrrad gekauft habe (ca. 10 Euro), hat sich
mein Aktionsradius betraechtlich erweitert. Deshalb bin ich heute in
der Innenstadt gewesen und habe die lokale Starbucks Filiale
aufgesucht.

Es gibt genug Leute, die oeffentlich oder privat gegen diese Art der
Globalisierung protestieren. Das kann ich spaetestens jetzt nicht mehr
nachvollziehen. Hier ist es so, dass der Lebensstandart nicht
sonderlich hoch ist, was grundsaetzlich nicht zu beanstanden ist. Aber
hinter einem "Veil of Ignorance" wuerde sich niemand dafuer
entscheiden, so zu leben wie der Durchschnitts-Chinese. In einer
5,4-Millionen-Einwohner Stadt wie Nanjing geht es vielleicht noch.
Aber im Hinterland, Richtung Mongolei, sieht es sicherlich noch mal
anders aus.

Deshalb sehe ich Starbucks als outpost und Messlatte fuer das
(konsumorientierte) Niveau, welches China bestimmt in einigen
Jahrzehnten erreichen will. Und da sehe ich nichts Schlimmes dran.

Ausserdem bietet es eine informationstechnische Infrastruktur (sprich:
WLAN), die hier sonst nicht zu finden ist. Das wird man erst zu
schaetzen wissen, wenn man mal darauf verzichten musste. Und
schliesslich ist auch die deutsche Kultur an McDonald's und Starbucks
nicht zerbrochen. Also: fuer mich besteht hier kein Protestbedarf.
Ganz im Gegenteil...

Auf dem Weg durch die Stadt bin ich am Nanjing Brain Hospital
vorbeigekommen. Dabei habe ich mich bei der Kalkulation erwischt: Wenn
es so viele Menschen hier gibt, die nach unseren Massstaeben nicht
sehr gut ausgebildet ist und wo die Arbeitsteilung so hoch ist
(sprich: neue Arbeitskraefte schnell eingewiesen sind), muss es sich
schon oekonomisch lohnen, ein kaputtes Gehirn wieder zu reparieren.
Denn warum sollte man das tun, wenn es viel billiger ist, ein neues
Hirn anzustellen und damit das kaputte zu ersetzen? Mich wuerde also
interessieren, welche Bevoelkerungsgruppe hier behandelt wird.

Dadurch wird mir auch klarer, warum Konzepte wie Menschenrechte hier
einen anderen Stellenwert haben. Auch das wird im Westen oft moniert.
Aber wenn man hier lebt und in verantwortlicher Position
Entscheidungen treffen muss, die sich auch rechnen sollen, wird man
unweigerlich das Leben eines Menschen mit den Kosten fuer dessen
Erhaltung vergleichen und sich fuer das eine oder das andere
Entscheiden.

Das ist nach unseren Massstaeben nicht gut. Aber bei uns leben nur 80
Millionen Menschen und die oekonomische Rolle, die der Einzelne in
unserer Wirtschaft und Kultur spielt, ist ganz anders anzusetzen, als
hier.

Koordinaten

Für alle Leser mit Mitteilungsbedarf:

Meine aktuelle Adresse lautet

Nanjing Normal University
Nanshan Hotel
122 Ninghai Road
Nanjing 210097

Die Telefonnummer ist

0086-025-835 99 211

Der aktuelle Billig-Anbieter hat die 01071 (2 ct pro Minute), dann 01039 (2,1 ct pro Minute).

Unter Umständen geht mein tatsächlich immer grinsende japanischer Mitbewohner Imai ran. Ein bisschen Englisch versteht er.

Update:Adresse auf Chinesisch

Mittwoch, September 01, 2004

Registration Day

Toll, wie das alles geht - ich kann per Email posten. Leider habe ich
noch keine Moeglichkeit, meinen Laptop an ein Ethernet Kabel
anzuschliessen. Die Aufsicht hat nur abgewunken und meinen Namen
wahrscheinlich straight nach Beijing gemeldet. Ueberhaupt weiss ich
noch nicht so ganz, wie es ueberwachungs- und sicherheitstechnisch
hier abgeht. Von manchen Stellen hoert man so einiges. Aber ich denke,
je normaler man sich verhaelt, um so geringer die Probleme.

Heute war Immatrikulations-Tag. Waehrend man in Deutschland dafuer
maximal zwei Leute braucht (Gutschick/Grund), sind hier schon sechs
notwendig. Davon hat eine die Aufgabe, die Paesse zu kopieren (ca.
zehn pro Stunde). Irgendwie muessen die 1.3 Mrd. Volksrepublikaner
beschaeftigt werden.

Ansonsten habe ich erste Beruehrung mit dem lokalen Essen gehabt. Dazu
sind wieder die ueblichen Erwartungspunkte abzuhaken: Auf dem Markt
gibt es Schlangen zu kaufen; ich habe auch schon Fleisch gegessen (es
war Leber, ich habe nur keine Ahnung, von welchem Tier). Aber alles in
Ordnung, saemtliche inneren Organe halten still.

Jedenfalls ist Nanjing psychologisch weiter von zu Hause entfernt, als
beispielsweise Dub- oder Shanghai. Es gibt kaum Europaeer und der
Standard ist nach unten abgesackt. Auch was das Wohnheim angeht: mal
schauen, ob ich mich daran gewoehne oder das Zimmer wechsel. Im meinem
Alter muss man ja nicht mehr alles mitmachen.

Dann noch eine Anmerkung zum Thema "Reisen bildet" und so. Das glaube
ich nicht. Vielleicht stimmt es, wenn es um faktisches, geographisches
oder spachliches Wissen geht. Aber sicherlich oder nur schwer, wenn
die Persoenlichkeit gebildet werden soll.

Nehmen wir zum Beispiel eine der mit mir gereisten Studentinnen (es
hat auch gute Seiten, dass man hier auf den Blog nicht zugreifen
kann). Die liegt einem staendig damit in den Ohren, wo sie schon war
und dass es kaum etwas romantischeres gibt, als in Entwicklungsland XY
abends an der und der Stelle den Sonnenuntergang zu inspizieren.

Oder ich frug: Hast Du in den Emiraten - wo sie auch einen Stop
eingelegt hat, schon klar - auch einen Tag eine Wuestentour gemacht?
Und was muss man sich dann Doofes anhoeren? Aaach, ich war schon vier
Tage mit Kamelen in der Wueste, da kann mich sowas glaube ich nicht
reizen. Wuerg. Ich meine, wenn sie nicht so viel gereist waere, dann
wuerde sie mit Erzaehlungen und Profilneurosen aus der Heimat
aufwarten. So verteilt es sich ein bisschen weltweit.

Resume: Nervensaege bleibt Nervensaege, auch wenn sie noch so oft um
die Welt reist. (Kritik bitte als Comment oder auf einen Zettel
schreiben, eine Nacht drueber schlafen und morgen sieht es dann schon
ganz anders aus.)

Am 5. September findet der Assessment Test statt. Der wird
wahscheinlich nur meine Vermutung bestaetigen, dass ich mich bei den
Anfaengern einreihen darf. Kann ich aber gut mit leben, dann habe ich
noch Zeit fuer anderes.

Auf dem Zimmer hat man uebrigens das Recht auf den Verbauch von 1 kHz
pro Tag; was darueber hinausgeht, muss selber geloehnt werden.

Und, ach ja, hier rotzen die Leute doch wie die Weltmeister. Aber ich nicht...