Donnerstag, Dezember 23, 2004

Mehr Propaganda

In diesem Artikel gibt es wieder ein paar Zahlen, die dem geneigten Investor das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Z.B. dass die Region Shanghai ein GDP wie das von Brasilien hat...

(Achtung: Die Zahlen stammen aus dem offiziellen staatlichen Meinungsorgan!)

Mittwoch, Dezember 22, 2004

China Update: Maglev & Massage

Am vergangenen Wochenende ging´s mal nach Shanghai. Alles, was man sich über die Stadt vorstellt, ist richtig, viele viele Menschen, laut, Kapitalismus pur, auch Armut, aber nicht das China, was ich von Nanjing aus kenne. Sehr viele Westler, viele Menschen können Englisch, die Räder sind nicht alt und schwarz, sondern bunt, neu, Mountain Bikes, Statussymbole - nicht mehr aus der Armut geborenes Hauptfortbewegungsmittel.

Am besten gefallen hat mir die Fahrt mit dem Transrapid und es ist kurz gesagt ein Jammer, dass wir (auch das) in Deutschland nicht hinbekommen haben. Ich nerve mich schon langsam selber mit dem ganzen Genöle über unsere Heimat und ich weiß auch ihre Vorzüge zu schätzen. Aber wir machen zur Zeit nicht so viel daraus. Auch wenn vielleicht der Transrapdid (heißt hier "Maglev", 5 Euro pro Fahrt, Höchstgeschwindigkeit 430 km/h) nicht ganz wirtschaftlich ist, so dient er doch als Magnet für eine positive Einstellung zu dem Volk oder der Stadt, die ihn zur Verfügung stellt. Und an Schnelligkeit und Ruhe ist er nicht zu überbieten.

Heute gab´s dann meine erste Ganzkörpermassage, Kosten: 38 Euro für eine Zehnerkarte. Ein sehr erholsames Gefühl und es wurde zuverlässig immer dort hingegriffen, wo es wehtat. Erstaunlich, aber ist ja deren Job. Ich hätte mal öfters dorthin gehen sollen, werde die nächste Zeit aber noch für weitere Besuche nutzen (habe wie gesagt eine Zehnerkarte).

Mittwoch, Dezember 15, 2004

Ja klar, hier gehts ab!

Ich weiß nicht genau, was der Diskontierungsfaktor für den China-Hype ist. Ich stelle nur fest, dass sich die Nachrichten hier (BugMeNot) und hier anders anhören und andere Gefühle bei mir auslösen, als beispielsweise hier und hier.

Montag, Dezember 13, 2004

Gedenktag

Heute Morgen haben in Nanjing die Sirenen geheult im Gedenken an das Nanjing Massacre, welches 1937 am heutigen Tag begann.

Diese Bilder geben einen Eindruck der Grausamkeit der Täter: "Remember, as you browse these images, that the true horror lies beyond these pages."

Sonntag, Dezember 12, 2004

Hip Hop Blogs

In der letzten Zeit habe ich mich etwas auf Blogs konzentriert, die sich mit Hip Hop - der Musik und der Kultur - auseinandersetzen. Daran finde ich vor allem zwei Dinge interessant: Zum einen handelt es sich zu einem großen Teil um ´overeducated whiteboys´, welche diese Blog betreiben. Zum anderen sind sie Marketing-Kanal und Kritik-Plattform. Eine weitere wichtige Daseinsberechtigung für Blogs.

Im folgenden also die Seiten, die ich regelmäßig aufsuche:

510 to 514
We eat so many Shrimp (Einer meiner Favoriten - eine Kollaboration)
a/k/a GunYoga (Eine eklektische Mischung aus Hip Hop, Altem Testament allen übrigen Religionen. Kris Exo schreibt für XXL
Government Names Oft gute mp3s
Can I bring my Gat? (Schwerpunkt Produzenten)
Hip Hop Blogs (Eine weitere Kollaboration, kann was draus werden)

Update: This actually was the one that got me started: Pop Life.

Zur Zeit interessiert mich die Debatte über "deracination of hip hop", die nicht zuletzt durch Exos Kritik an "Purple Haze" von Cam´ron ausgelöst wurde und auf den verschiedenen Blogs diskutiert wird.

Mittwoch, Dezember 08, 2004

Ehrlich währt am längsten

Dass dem in China nicht unbedingt so ist, entnimmt man u.a. dieser Leseprobe aus dem Buch "Der wilde Osten" von Fons Tuinstra, einem in Shanghai lebenden Journalisten.

Sehr witzig und mit hohem Wiedererkennungswert ist auch die Passage über den Rad- und Autoverkehr in China. Man schaut ausschließlich geradeaus. Das habe ich auch gleich gemerkt, als ich mich hier in den Verkehrt gewagt habe.

Dienstag, Dezember 07, 2004

Denkender Baum

Via meiner Nanjing-Flickr-Gruppe bin ich auf diesen lokalen Blogger getroffen. Auch wenn ihr keine chinesischen Fonts auf dem Rechner installiert habt, ist es vielleicht interessant, zu sehen, dass auch oder gerade in dieser Sphäre vieles dem ähnelt, was wir kennen.

Samstag, Dezember 04, 2004

Neue Blog-Funktion

Wenn ihr uns größere Files - pdf, MP3s, Bilder, etc. - schicken wollt, kann dafür der Link "Send Us A File" unter "Kontakt" genutzt werden.

Nanjing Bicycle

Dank des florierenden Handels mit raubkopierten DVDs finden auch verbotene Filme wie ´Beijing Bicycle´ Verbreitung. Eine gute Nachricht, wie in der faz nachzulesen ist.

Dank des harmlosen Inhalts meines eigenen Films - Nanjing Bicycle (30,4 MB) - besteht keine Gefahr der Indizierung. Anders gesagt: Ich habe mal den normalen Verkehrsbetrieb per Rad dokumentiert. Zu erleben ist der Flow und zu sehen die verschiedenen zweirädrigen Fortbewegungsmittel. Besonders hervorzuheben sind die kleinen Elektro-Räder, die hier sehr verbreitet sind und bestimmt ein Exportschlager nach Europa werden. Jedoch - wie ein Kommentator meinte - werden sie sich beispielsweise in Texas eher nicht durchsetzen.

Ich werde in Zukunft vielleicht mehr solche kleine Filmchen produzieren. Dank Digitalkamera und YouSendIt ist das kein Problem. Enjoy!

Freitag, Dezember 03, 2004

China Funny Facts

Manche Chinesen lassen sich einen Fingernagel lang wachsen, um zu zeigen, dass sie nicht körperlich arbeiten müssen. Gesehen habe ich das beispielsweise bei einem Mitarbeiter der Informatik-Fakultät.

Dienstag, November 30, 2004

Globalisierungs-Check

Diese Wintersaison haben so gut wie alle Frauen hohe Stiefel und enge Hosen an. Ich werde ein paar Bilddokumente liefern. Nur wollte ich mal wissen, ob das bei euch auch gerade so getragen wird oder ob sich in den Regionen noch unterschiedliche Trends entwickeln.

Montag, November 29, 2004

Total Blackout

Endlich! Ich dachte schon, ich würde es nie mehr erleben - aber endlich gab es jetzt einen Stromausfall, wenn auch nur für ca. 10 Minuten. Wieder was auf der China-To-do-Liste abgehakt...

Sonntag, November 28, 2004

Nomen est omen

Die einheimischen Anglistik-Studentinnen (sind auch hier zumeist weiblich) geben sich gerne englische Namen. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn sie sich mit Carolyne oder Cherry vorstellen. Das ist schon mal ganz witzig. Echt lachen musste ich aber, als Andi von einer Germanistik-Studentin gefragt wurde, ob ihr Name wirklich veraltet sei. Sie heißt Elfriede.

Meine Privatlehrerin heißt glücklicherweise ganz normal Xiaolin, aber wenigstens hat sie mir den Gefallen getan, hinter vorgehaltener Hand ausgiebig zu kichern, nachdem ich ihr versichert hatte, dass ihr Englisch natürlich um Längen besser sei, als mein Chinesisch.

Freitag, November 26, 2004

Weltmachtphantasien

Leider war mein als Reaktion auf die mit Jan angezettelte Diskussion über die zukünftige Rolle Chinas zu lang, um vom Kommentar aufgenommen zu werden. Also packe ich sie in einen neuen Beitrag und stelle sie zur Debatte, wenn unter den Lesern dazu Willige sind:

Gegenwärtig ist China sicherlich keine Supermacht. Aber es gibt zwei Dinge, die dafür sprechen, dass sich das in der mittleren Zukunft ändern kann.

Zum einen versucht China, seine Kultur in der asiatischen Region zu etablieren, was von den einzelnen Nationen zum Teil auch anerkannt und angenommen wird (siehe Beitrag unten). Eine starke Ökonomie muss also auch durch eine identitätsstiftende Kultur untermauert sein, damit daraus auch eine weltpolitisch etablierte Macht erwachsen kann.

Des Weiteren denke ich, dass das oberflächlich betrachtet und noch restriktiv regulierte öffentliche und private Leben und auch die Innenpolitik auf zwei Ebenen betrachtet werden müssen.

Die eine Ebene ist die offizielle, die sich noch immer der Rhetorik der Kommunisten bedient und damit den Anschein erweckt, dass alles beim Alten geblieben ist. Unter der Oberfläche jedoch ändern sich viele Dinge und dem Protest und Veränderungswillen der Bevölkerung wird inoffiziell Rechnung getragen (siehe die Proteste zu Niu Niu).

Nur die Oberfläche bleibt vorerst die alte, um das Land nicht zu sehr zu verunsichern. Deswegen bekommen wir im Westen auch gar nicht mit, was sich hier alles tut. Die Niu Niu Angelegenheit wird bestimmt nicht und wenn dann nur in bescheidenem Rahmen in die ausländische Presse dringen.

Zu Russland: Ich war wieder oder noch überrascht, als ich neulich gelesen hatte, dass Russland ein kleineres BIP als Österreich hat.

Schulheft-Propaganda

Sehr zum Amusement trägt der Kauf eines neuen Schreibhefts bei. Erinnert ihr euch an ´Shanghai Despot Chicken´ und ´Jiangsu Boom Star Law Office´? Nun, im selben Stil sind die meisten englischen Begriffe und Aussagen aufgebaut. Sie sind lustig und machen manchmal Sinn.

Auf den Heften vermischt sich dieses Chenglish noch mit staatstragender Propaganda, da Bildung bekanntermaßen sehr bedeutsam für dessen Prosperität ist. Die Resultate finde ich aber eher rührig:

´My Book: This is the most comfortable notebook you have ever run into´

´Hotrock: The best quality goods always make you happy´

´The best quality notebooks of today for tomorrow´s most excellent achievers´

Dann kann´s ja losgehen...

Donnerstag, November 25, 2004

Nachrichten aus Mannheim

Da unser Blog "Out Of Mannheim" heißt und diese Stadt an Rhein und Neckar (die ich bereits vermisse, btw.) nunmehr unsere gemeinsame Wurzel ist, sollten wir uns auch auf dem Laufenden halten, was in der Region geschieht. Deshalb ab heute in der Blogroll: Nachrichten aus dem SWR-Studio Mannheim.

Ist Bloggen gefährlich?

Einen Eindruck der Situation der Blogger in China gibt dieser Beitrag in den San Jose Mercury News von Dan Gillmor, der gerade an der Fudan Universität Shanghai ein Seminar gehalten hat. Zitiert wird auch Isaac Mao, dessen Blog ihr rechts verlinkt findet (und der auch einen Account bei Flickr hat):

"Don't be surprised", says Isaac Mao, a 32-year-old technologist, investor and one of the first Chinese bloggers. "Some things are just considered too risky."

Before posting anything on a blog, he says, "people think first if it's dangerous."

Und ich will ja nichts beschwören, aber seit dem Beitrag über Niu Niu besuchen Leute unser Blog, deren IP Adresse anonymisiert ist. Aber ein Gefahr besteht für Ausländer sicher nicht im Geringsten. Es ist bloß interessant, dass beobachtet wird.

Mittwoch, November 24, 2004

For boys who were always men

Ein echt lustiger Spot und die Credits gehen an Anne: via Musicstylist.

Here it is ladies and gentlemen! The new commercial for the VW Golf GTI. Director is Steve Miller, @radical.media, Berlin. Agency is DDB, Berlin.

Übrigens: Schaut euch mal die About Sektion der Site an. Hat der Typ nicht einen Beruf, den man nur als low bezeichnen kann? Nicht schlecht...

USA, mach Deine Hausaufgaben

Vorweg: Ich halte nichts von den vor allem in letzter Zeit gängigen Angriffen auf die USA und auch nichts vom Entsetzen über das Wahlergebnis. Ich habe auch nie dazu geschrieben, da ich denke, dass sich ein Teil des Volkes dafür entschieden hat und wenn wir Europäer uns für so liberal und aufgeklärt halten, dann müssen wir damit leben, ohne in aufgeregten Ärger darüber zu verfallen. (Natürlich ist sachliche Diskussion angebracht.)

Was ich allerdings interessant finde, ist die Frage, ob Amerika dabei ist, seine Führungsrolle zu verlieren bzw. ob sich ein Szenario entwickeln wird, in dem sich zwei Supermächte die Vorherrschaft teilen - ähnlich wie "damals" die USA und UdSSR.

Auf dem Gebiet der Geldpolitik scheint China sich bereits zu trauen, dagegen zu halten, wie aus dieser Meldung hervorgeht:

Beijing tells spendthrift US to put its own house in order

Li Ruogu, deputy governor of the People's Bank of China (PBoC), said Washington was now blaming others for its ballooning trade deficit and unemployment problem. But American economic habits and not outsiders caused the ailments, he said before last weekend's leadership summit of the Asia-Pacific Economic Co-operation forum in Chile.


Dienstag, November 23, 2004

Niu Niu

Unter der sowieso eher hektischen Oberfläche des Alltags scheint es zu brodeln. Jedenfalls sugeriert das der Fall "Niu Niu", einer 25-jährigen chinesischen Studentin, Schriftstellerin und Drehbuchschreiberin. Sie hat neun Jahre in Großbritannien, Denver und Columbia studiert und über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben, welches nun mit ihr in der Hauptrolle verfilmt wurde.



Das Problem: Die Produktion hat 21 Millionen RMB (durch 10 gleich Euro) gekostet, die ersten drei Tage aber nur 670.000 RMB eingespielt. Dazu kommt, dass das Leben in England mit den Studiengebühren 200.000 bis 300.000 RMB kostet, das durchschnittliche Einkommen in der Provinz Guangdong jedoch lediglich 20.000 RMB beträgt.

Das erweckt schon mal eine Menge Sozialneid in einem Land, wo eigentlich alle gleich sein sollen (in der Theorie). Aber zum Skandal ist die Geschichte geworden, da Grund- und Mittelschüler gezwungen worden sind, sich den Film für 20 RMB anzuschauen, um einen Teil der Kosten zu decken.

Möglich war das, weil der Vater von Li Qianni (so ihr richtiger Name), Li Yizhen, in der örtlichen Parteihierarchie eine hohe Stellung einnimmt und Absprachen mit seinen Kollegen an den entsprechenden Stellen getroffen hat. Dazu kommen weitere persönliche Interessenverflechtungen und Verteilungsfragen und die Sache kocht ordentlich hoch

Die Geschichte vereint also zwei wichtige Probleme der gegenwärtigen chinesischen Gesellschaft: Die Herausbildung einer wohlgestellten wirtschaftlichen oder politischen Elite sowie Korruption im öffentlichen Sektor. Mal sehen, wo das noch hinführt. Vielleicht ist es der Beginn einer kleinen oder größeren Umwälzung, die sicherlich an der Zeit ist.

Ausführliche Berichte bei China Daily, Danwei und Yellow Frog.